Frühstück in Berlin: Welche Adresse an welchem Morgen
Berlin hat eine der tiefsten Frühstückskulturen Europas. Die Stadt hat das ausgedehnte Wochenend-Brunch-Format quasi miterfunden, und dieses Format hat sich längst über die ganze Stadt gelegt. Doch beim Morgen geht es nicht um eine einzige Spielart davon: Vier sehr unterschiedliche Tonarten existieren hier nebeneinander – das Wiener Kaffeehaus von 1907, das Third-Wave-Hofcafé der 2010er, der japanisch-moderne Import aus Brooklyn und die literarische Charlottenburger Kantine. Jede passt zu einem anderen Tag.
Diese Liste liefert einen Rahmen dafür, wie man seine Morgen füllt, wenn man eine Woche in Berlin verbringt. Vom Hauptbahnhof ist man zu jeder Adresse höchstens zwanzig Minuten unterwegs, und jede bringt einen mit einer anderen Stimmung zum Termin, der den Rest des Tages bestimmt. Der Maßstab bleibt derselbe: Würde ein Berliner einen anspruchsvollen Gast guten Gewissens morgens hierher schicken?
Klassischer Berliner Kaffeehaus-Morgen
Berlins älteste Frühstückstonart ist die Wiener: Wiener Melange auf dem Silbertablett, Marmortisch, Konditoreitheke.
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Eine Institution von 1811 an der Ecke des Gendarmenmarkts, in Mitte. Zum Frühstück gibt es Eierspeise und einen Riesling. Am frühen Morgen ist der Saal deutlich ruhiger – die Stunde, bevor das Viertel erwacht.
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Die literarische West-Berliner Kantine am Savignyplatz, seit 1965 in Charlottenburg. Hier beginnt der Morgen mit Frikadellen und Kaffee, an der langen Theke, an der die 68er-Generation einst den Spiegel las. Bis heute kehren Journalistinnen und Journalisten auf dem Weg ins Büro hier ein.
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Die sechste Etage des KaDeWe an der Tauentzienstraße, in Charlottenburg. Die Austerntheke und die Oyster Bar öffnen um 10:00 Uhr. Eine natürliche Kombination für einen Charlottenburger Shopping-Morgen.
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Third-Wave-Morgen in Mitte
Die Tonart, die Berlin in den 2010ern aufgebaut hat: Hofcafés und Röstereien der dritten Welle – Antipodean-Berlin-Brunch und technisch präziser Kaffee.
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Ein versteckter Hof-Brunchsalon der dritten Welle an der Münzstraße, in Mitte. Auf der Karte stehen Ei mit Feta und Espresso von Bonanza. Der Raum ist klein, am Wochenende bis 10:00 Uhr voll.
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Ralf Rüllers Rösterei von 2010 an der Auguststraße, in Mitte. Eine der einflussreichsten Third-Wave-Adressen Europas; die Filterrotation verrät, wofür sich die Rösterei in dieser Woche gerade begeistert.
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Die Third-Wave-Geburtsrösterei von 2006 an der Oderberger Straße, im Prenzlauer Berg. Der Samstagmorgen lässt sich hier ideal mit dem Markt am Kollwitzplatz verbinden.
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In Kreuzberg an der Reichenberger Straße. Die Rösterei ist technisches Handwerk, doch der Cheesecake nach Philadelphia-Art ist der populäre Köder. Espresso und Cheesecake – das ist die Kombination.
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Moderner Brunch und später Vormittag
Das Format, das erst nach zehn Uhr in Fahrt kommt: japanisch-modern, modern-europäisch, ausgedehnter Brunch am späten Vormittag.
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Japanisch-moderner Brunch, importiert aus Brooklyn, an der Johannisstraße in Mitte. Die Wendeltreppe ist das Herzstück des Interieurs; auf den Tisch kommen Okonomiyaki-Pancakes und Matcha.
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Der Sonntagsbrunch eines mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants von Sarah Hallmann, in Neukölln. Einer der am stärksten nachgefragten Tische der Stadt – am besten zwei Wochen im Voraus reservieren.
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Die Markthalle von 1891 in Kreuzberg. Am Samstag ab 10:00 Uhr geht es um den Einkauf: Stände mit Käse, Brot und Charcuterie. Das Brot von Sironi und die Brauerei Heidenpeters gehören zum festen Inventar.
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Der Biergarten von 1837 im Prenzlauer Berg. Im Sommer am Samstag ein später Vormittag mit Brezel und Frühstück unter Kastanien. Die Volksbühne liegt gleich nebenan.
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Die Berliner Frühstücks-Choreografie: einen Morgen den Charlottenburger Klassiker (Café Einstein Stammhaus oder Zwiebelfisch), am nächsten Morgen Third Wave in Mitte (Father Carpenter oder The Barn), am dritten Morgen den Markt im Prenzlauer Berg (Kollwitzplatz plus Bonanza), am vierten Morgen den Brooklyn-Import (House of Small Wonder). Vier verschiedene Tonarten – das reicht, um das vierstimmige Frühstück Berlins kennenzulernen.
Saisonal gilt: Von Mai bis September ist die Terrasse offen, von Oktober bis März trägt das Innere die Atmosphäre. Am Wochenende ist es bis 10:00 Uhr voll; 09:00 bis 09:30 Uhr ist die ideale Zeit.