Frühstück in Wien: Wo man am besten frühstückt
Das Wiener Frühstück ist die natürliche Fortsetzung der Kaffeehauskultur. Zwischen acht und elf Uhr morgens füllen sich die marmornen Tische der Innenstadt: Melange, frische Kipferl, ein weiches Ei im silbernen Eierbecher, Topfengolatschen, gehobelte Butter, ein Brotkorb und ein kleines Sortiment Konfitüre am Teller. Das Ritual läuft nach immer demselben Protokoll – ein Glas Wasser am Silbertablett, der Herr Ober im Frack, die Zeitung am Halter und das selbstverständliche Recht, das Frühstück um eine Stunde zu verlängern.
Wer üppige Auswahl erwartet, irrt: Das Wiener Frühstück setzt nicht auf ein Dutzend Schälchen, sondern auf ein, zwei sorgfältige Kompositionen. Doch die Haltung bleibt dieselbe – ein Tisch am Fenster, ein langes Sitzen und der zweite Kaffee neben dem ersten.
Das klassische Kaffeehaus-Frühstück
Die klassische Variante des Wiener Frühstücks kommt aus den Kaffeehäusern, die zum UNESCO-Erbe zählen. Die vier Adressen dieses Abschnitts pflegen das Frühstücksritual in seiner reinsten Form.
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Im originalen Interieur von 1880 wird hier das Frühstück im Geist der Wiener Werkbund-Tradition serviert. Melange, Topfengolatschen, ein weiches Ei im silbernen Eierbecher und der Brotkorb – am Protokoll hat sich nichts geändert. Ein Kaffeehaus der Stammgäste; samstags vor neun Uhr zu kommen ist der richtige Zug.
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Vor zehn Uhr bekommt man hier die besten Fensterplätze; bis elf bildet sich die Schlange. Unter den gewölbten Decken zieht sich das Frühstück in die Länge, neben der Melange steht ein Glas Wasser am Tablett – klassisches Wiener Protokoll im Innere Stadt.
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Seit 1873 ein Ringstraßen-Kaffeehaus, dessen Frühstückspublikum zur Hälfte aus Politik, Presse und gestandenen Beamten besteht. Von Mai bis September öffnet die Terrasse – das richtige Fenster für ein ausgedehntes Frühstück entlang des Rings.
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Seit 1903 am Platz, mit dem denkmalgeschützten Interieur von Oswald Haerdtl aus 1955. Direkt gegenüber dem MAK gelegen – die richtige Frühstücksstation vor oder nach dem Museumsbesuch.
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Wochenend-Frühstück am Naschmarkt und im Stadtpark
Die Wiener Brunch-Stimmung am Wochenende spielt sich außerhalb des Kaffeehauses ab: in der östlichen Lokalzeile des Naschmarkts und im Pavillon des Stadtparks. Die vier Adressen dieses Abschnitts geben dem Tag seinen entspannten Ton.
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Das israelisch-mediterrane Original von Haya Molcho, seit 2009 am Naschmarkt. Für den langen Samstags-Brunch auf der Terrasse empfiehlt sich eine Reservierung. Shakshuka, Labneh mit Za'atar und Spreads im Balagan-Stil zum Teilen.
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In der östlichen Zeile des Naschmarkts, auch ohne Reservierung zugänglich; Sabich, Shakshuka und Hummus mit langsam geschmortem Rind. Bis 12:30 Uhr am Samstag zu kommen, ist der richtige Zug.
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Das Erdgeschoss des Steirereck, mit einer ganztägigen Frühstückskarte rund um die hauseigenen Milchprodukte der Familie Reitbauer. Pavillon-Frühstück auf der Terrasse im Stadtpark – eines der schönsten Frühstücksfenster der Stadt.
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Eine Eckküche am Sankt-Ulrichs-Platz in Neubau; ganztägig geöffnetes mediterranes Bistro, dessen Frühstückskarte nahtlos in die Mittagskarte übergeht. Unter der Woche ist das Frühstück um neun Uhr ruhig, samstagvormittags lebt der Platz auf.
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Der richtige Rhythmus des Wiener Frühstücks ist langsam. Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit: zuerst die Melange am Silbertablett, dann Brot, Butter und Konfitüre, danach eine Topfengolatsche oder ein Ei mit Schinken, zum Schluss die zweite Melange und die Zeitung. Der ganze Sinn der Kaffeehausform liegt in der Unaufgeregtheit. Lesen Sie das Frühstück als Kaffeehaus, nicht als Brunch.